Private Equity Ownership verändert die Erwartungen an eine Legal Function deutlich.
Nach einer Akquisition stehen Unternehmen häufig unter stärkerer Board-Scrutiny, Entscheidungen müssen schneller getroffen werden und Themen wie Transformation, M&A, Restrukturierung und ein möglicher Exit rücken stärker in den Vordergrund. Ein General Counsel muss daher deutlich mehr leisten, als lediglich rechtliche Risiken zu managen.
Die stärksten GCs in PE-backed Unternehmen verstehen die Investment Thesis, wissen, wo Legal zur Value Creation beitragen kann, und arbeiten souverän mit CEO, CFO, Board und Investoren zusammen.
Der PE-Markt in Deutschland
Deutschland bleibt ein zentraler Markt für Private-Equity-Investoren.
2025 stieg das PE Deal Value in der DACH-Region um 69 % auf 88,3 Mrd. €, während 66 % der befragten europäischen PE-Investoren Beteiligungen in Deutschland hielten. Von diesen planen 97 %, in den kommenden fünf Jahren weitere Investments in Deutschland zu tätigen.
Auch die durchschnittliche PE Holding Period ist auf rund 6,5 Jahre gestiegen. Dadurch gewinnen operative Verbesserungen und langfristige Value Creation gegenüber reinem Financial Engineering weiter an Bedeutung.
Das hat direkte Auswirkungen auf Senior Leadership Teams – einschließlich Legal.
Wann braucht ein PE-Backed Unternehmen einen General Counsel?
Es gibt keinen festen Zeitpunkt. Es gibt jedoch einige typische Situationen, in denen Unternehmen ihre Legal Leadership neu bewerten oder gezielt verstärken sollten.
Nach einer Akquisition
Der bestehende Head of Legal kann unter der vorherigen Eigentümerstruktur vollkommen passend gewesen sein.
PE Ownership bringt jedoch häufig ein deutlich anderes Mandat mit sich: stärkere Board-Interaktion, Akquisitionen, Transformation, Management Incentives, Refinanzierungen und die Vorbereitung auf einen späteren Exit.
Die entscheidende Frage ist daher nicht nur, ob die Person die Rolle heute ausfüllen kann, sondern ob sie die Legal Function führen kann, die das Unternehmen in drei Jahren benötigen wird.
Während eines Carve-outs
Carve-outs erfordern häufig den Aufbau eigenständiger Governance-Strukturen, Verträge, Gesellschaften, Employment Frameworks, Compliance-Programme und Legal Systems.
Ein GC, der bereits zuvor eine Standalone Legal Function aufgebaut hat, kann hier besonders wertvoll sein.
Bei einer Buy-and-Build-Strategie
Ein stark akquisitorisch geprägtes Unternehmen benötigt häufig einen GC, der Due Diligence, Transaktionen, Integration, Governance und Restrukturierung über mehrere Akquisitionen hinweg koordinieren kann.
Vor einem Exit
Eine gute rechtliche Vorbereitung kann die Transaction Readiness erheblich verbessern.
Dazu gehört unter anderem, Corporate Records, Verträge, IP Ownership, Compliance-Themen, Litigation Exposure und Due-Diligence-Unterlagen frühzeitig zu bereinigen und zu strukturieren.
Was macht einen starken PE-Backed General Counsel aus?
Commercial Judgement
Technische juristische Exzellenz wird vorausgesetzt.
Der eigentliche Unterschied liegt häufig im Judgement: zu verstehen, welche Risiken zwingend eliminiert werden müssen und welche aus kommerzieller Sicht bewusst akzeptiert werden können.
Comfort with Change
PE-backed Unternehmen können sich sehr schnell verändern.
Starke Kandidaten sollten sich wohlfühlen mit:
- Transformation
- Ambiguität
- Restrukturierung
- unvollkommenen Strukturen und Systemen
- wechselnden Prioritäten
- Aufbauarbeit statt reinem Verwalten bestehender Strukturen
Direkte PE-Erfahrung kann hilfreich sein, sollte aber nicht immer zwingende Voraussetzung sein.
Kandidaten, die bereits IPOs, Carve-outs, größere Transformationen, Restrukturierungen oder umfangreiche M&A-Prozesse begleitet haben, bringen häufig viele der gleichen Fähigkeiten mit.
Executive Presence
Der GC sitzt häufig zwischen:
Management ↔ Board ↔ Sponsor ↔ Legal Team
Er oder sie muss ausreichend Standing haben, um Senior Management zu challengen, gleichzeitig aber pragmatisch genug sein, um das Business weiter voranzubringen.
KPMG hat festgestellt, dass 92 % der GCs mittlerweile regelmäßig mit ihrem Board interagieren und 75 % regelmäßig zu nicht-juristischen Themen um ihre Einschätzung gebeten werden.
Diese breitere kommerzielle Rolle ist in einem PE-Umfeld besonders relevant.
Financial Literacy
Ein PE-backed GC sollte sich mit Begriffen und Themen wie folgenden sicher bewegen können:
- EBITDA
- Leverage
- Covenants
- Enterprise Value
- Refinancing
- Management Incentive Plans
- Value-Creation-Initiativen
Der GC muss kein CFO sein. Er oder sie sollte aber verstehen, wie das Unternehmen Geld verdient und welche Ziele die Investoren verfolgen.
Sollte PE-Erfahrung zwingend erforderlich sein?
Nicht unbedingt.
Kandidaten mit direkter Erfahrung in PE-backed Unternehmen verstehen häufig bereits Sponsor Relationships, Pace und Expectations.
PE-Erfahrung als absolute Voraussetzung festzulegen, kann den Kandidatenmarkt jedoch unnötig einschränken – insbesondere in Nischensektoren.
Wir würden daher auch Kandidaten berücksichtigen, die bereits durch folgende Situationen geführt haben:
- Ownership Change
- Carve-outs
- IPOs
- Restrukturierungen
- größere M&A-Prozesse
- Post-Merger Integration
- schnelle internationale Expansion
Die sinnvollere Frage lautet:
Hat diese Person bereits erfolgreich durch Situationen geführt, die Private Equity Ownership typischerweise mit sich bringt?
Reporting Line: CEO oder CFO?
Es gibt keine pauschal richtige Struktur.
Sowohl eine Reporting Line zum CEO als auch zum CFO kann gut funktionieren.
Bei wirklich strategischen GC-Rollen sind jedoch direkter Zugang zum CEO und regelmäßiger Austausch mit dem Board wichtig – unabhängig von der formalen Reporting Structure.
Der Titel ist weniger entscheidend als das Maß an Einfluss und Unabhängigkeit, das mit der Rolle verbunden ist.
Legal-Themen, die PE-Backed GCs im Blick haben sollten
Die konkreten Prioritäten hängen vom Sektor und von der Investment Thesis ab. Einige Themen sind 2026 jedoch besonders relevant.
M&A und regulatorische Prüfung
Buy-and-Build-Strategien erfordern ein starkes Transaction Management – einschließlich Due Diligence, Integration, Merger Control und gegebenenfalls Foreign Investment Screening.
AI und Technologie
AI wird zunehmend sowohl zu einer Value-Creation-Chance als auch zu einer Governance-Herausforderung.
Gleichzeitig führt der EU AI Act schrittweise neue regulatorische Anforderungen ein.
GCs müssen Unternehmen deshalb zunehmend dabei unterstützen, AI sicher einzusetzen und gleichzeitig Technologie zu nutzen, um die Legal Function effizienter zu machen.
Employment-Themen
Transformation bedeutet häufig, Restrukturierungen und Post-Merger Integration rechtlich und operativ zu begleiten.
Ein GC, der deutsche arbeitsrechtliche Anforderungen in pragmatische Handlungsempfehlungen für internationale Shareholder übersetzen kann, schafft hier erheblichen Mehrwert.
Die Legal Function an der Investment Thesis ausrichten
Die Legal Strategy sollte der Business Strategy folgen.
Ein Unternehmen mit internationaler Expansion benötigt möglicherweise stärkere Commercial- und Regulatory-Kompetenz.
Eine Buy-and-Build-Plattform braucht unter Umständen mehr Corporate- und M&A-Expertise.
Ein Unternehmen, das sich auf einen Exit vorbereitet, benötigt stärkere Governance und höhere Transaction Readiness.
Der häufigste Fehler bei der Besetzung
Ein häufiger Fehler besteht darin, für die Legal Function zu rekrutieren, die das Unternehmen heute hat.
Die wichtigere Frage ist, welche Legal Leadership das Unternehmen am anspruchsvollsten Punkt des Investment Cycle benötigen wird.
Wenn die Strategie Akquisitionen, Transformation, internationale Expansion und einen späteren Exit umfasst, sollte der GC in der Lage sein, durch alle vier Phasen zu führen.
Das bedeutet nicht zwangsläufig, die Person mit dem größten Team oder dem bekanntesten Unternehmen im CV einzustellen.
Es geht darum, den Juristen oder die Juristin zu finden, dessen bzw. deren Judgement, Leadership Style und Erfahrung am besten zu dem Unternehmen passen, das sich gerade entwickelt.
Einen General Counsel in Deutschland einstellen
Deep Blue Recruitment ist auf Senior In-House Legal- und General-Counsel-Besetzungen in Deutschland spezialisiert.
Unser Team verfügt über Erfahrung bei der Besetzung von Legal Leadership Rollen in Private-Equity-Umfeldern und versteht die zusätzlichen Anforderungen, die mit Ownership Change, Transformation, Transaktionen und Exit Preparation einhergehen.
Wir arbeiten eng mit Management Teams und Investoren zusammen, um die Investment Thesis zu verstehen, die Anforderungen an die Legal Function klar zu definieren und die Senior Legal Leaders zu identifizieren, die am besten zur nächsten Entwicklungsphase des Unternehmens passen.
Sie suchen einen General Counsel für ein PE-backed Unternehmen in Deutschland?
Sprechen Sie mit dem Team von Deep Blue Recruitment.
Recruiting & Retention im Rechtsbereich: Praxistipps von Spezialisten
Praxisnahe Einblicke von erfahrenen Legal-Headhuntern – damit Sie starke Legal-Teams aufbauen und halten können.




.jpg)