Sollte Ihr General Counsel an den CEO oder CFO berichten? Executive Search Insights aus dem deutschen Legal Market

General Counsel Reporting Line Deutschland

Legal Executive Search: Einblicke aus dem deutschen Markt

Eine der wichtigsten Entscheidungen, die Unternehmen bei der Einstellung eines General Counsel treffen, hat nichts mit Gehalt, Equity oder sogar der Stellenbeschreibung zu tun.

Es geht um die Reporting Line.

Sollte der General Counsel direkt an den CEO berichten?

Oder sollte die Rechtsfunktion Teil des Finance-Bereichs sein und an den CFO berichten?

Dieses Thema besprechen wir mit jedem Mandanten, bevor wir ein Executive Search-Mandat starten – und es sorgt häufig für deutlich mehr Diskussionen als erwartet.

Auf den ersten Blick mag die Reporting Line wie ein internes organisatorisches Detail wirken. Tatsächlich beeinflusst sie jedoch, wie Kandidat die Position wahrnehmen, wie die Rechtsfunktion innerhalb des Unternehmens positioniert ist und letztlich, wie wirkungsvoll der zukünftige General Counsel seine Rolle ausüben kann.

Eine allgemeingültige Antwort gibt es nicht.

Die richtige Struktur hängt von der Größe des Unternehmens, der Reife der Rechtsfunktion, der Eigentümerstruktur und den konkreten Verantwortlichkeiten der Position ab.

Nach zahlreichen General Counsel- und Senior Legal-Searches in Deutschland zeichnet sich jedoch ein klarer Trend ab:

Je größer und komplexer ein Unternehmen wird, desto näher rückt die Rechtsfunktion an den CEO.

CEO vs. CFO: Ein Vergleich

Reporting an den CEO

Strategischer Einfluss

Direkte Einbindung in strategische Entscheidungen auf Unternehmensebene.

Unabhängigkeit

Größere Unabhängigkeit bei der objektiven rechtlichen Beratung sämtlicher Unternehmensbereiche.

Zugang zum Board

In der Regel direkter oder regelmäßiger Zugang zum Board sowie zum Executive Leadership Team.

Executive Leadership

Meist Teil des Executive Leadership Teams oder enge Zusammenarbeit mit der Unternehmensleitung.

Attraktivität für Kandidat

Wird häufig von erfahrenen General Counsel bevorzugt, die eine strategische Führungsrolle suchen.

Besonders geeignet für

Etablierte Rechtsfunktionen, regulierte Unternehmen, DAX-Konzerne, Private-Equity-Portfoliounternehmen sowie international tätige Organisationen.

Reporting an den CFO

Strategischer Einfluss

Stärkerer Fokus auf die Unterstützung der Finance- und Corporate-Funktionen.

Unabhängigkeit

Kann zu Interessenkonflikten führen, wenn Legal finanzbezogene Entscheidungen kritisch hinterfragen muss.

Zugang zum Board

Board-Themen werden häufig über den CFO oder andere Mitglieder der Geschäftsleitung eingebracht.

Executive Leadership

Abhängig von Unternehmensstruktur und Reifegrad der Rechtsfunktion.

Attraktivität für Kandidat

Besonders passend für den ersten In-House Lawyer oder Unternehmen in einer frühen Wachstumsphase.

Besonders geeignet für

Erste In-House Legal-Einstellungen, kleinere Legal Teams, Scale-ups und Unternehmen, die ihre Rechtsfunktion erstmals aufbauen.

Warum die Reporting Line heute wichtiger ist denn je

Die Rolle des General Counsel hat sich in den vergangenen zehn Jahren erheblich verändert.

Früher lag der Schwerpunkt vieler In-House Lawyers vor allem auf Verträgen, Streitigkeiten und der Steuerung externer Kanzleien.

Heute beraten General Counsel zu Corporate Strategy, Fundraising, M&A, Corporate Governance, Employment, AI, Data Protection, Compliance, International Expansion und Enterprise Risk.

In vielen Unternehmen zählen sie mittlerweile zu den engsten Berater des CEO.

Diese Entwicklung verändert zwangsläufig auch die Position der Rechtsfunktion innerhalb des Unternehmens.

Wenn Legal strategische Entscheidungen mitgestalten soll, benötigt die Funktion unmittelbaren Zugang zu den Personen, die diese Entscheidungen treffen.

Die Reporting Line ist eines der deutlichsten Signale dafür, welchen Stellenwert ein Unternehmen seiner Rechtsfunktion tatsächlich einräumt.

Sie beeinflusst zudem, wie der Markt die Position wahrnimmt.

Eine der ersten Fragen, die erfahrene General Counsel im Rahmen eines Executive Search stellen, lautet:

„An wen würde ich berichten?“

Die Antwort verrät häufig mehr über die Position als jede Stellenbeschreibung.

Wann Reporting an den CFO sinnvoll ist

Trotz des klaren Trends hin zum CEO gibt es zahlreiche Situationen, in denen eine Reporting Line an den CFO die richtige Entscheidung ist.

In Deutschland ist dies besonders häufig der Fall, wenn Unternehmen ihren ersten In-House Lawyer einstellen oder erstmals eine Rechtsfunktion aufbauen.

Legal entwickelt sich oft parallel zur Finance-Funktion, da beide Bereiche in vielen Themen eng zusammenarbeiten.

Commercial Contracts, Versicherungen, Corporate Governance, externe Berater sowie Risk Management liegen häufig im Verantwortungsbereich des CFO. Dadurch ist Finance gerade in der frühen Unternehmensphase ein naheliegender organisatorischer Anker für Legal.

In unserer Erfahrung funktioniert das Reporting an den CFO besonders gut, wenn:

  • das Unternehmen seine erste juristische Position besetzt
  • Legal überwiegend Commercial- und Corporate-Themen betreut
  • das Legal Team aus ein oder zwei Personen besteht
  • die Executive Structure noch im Aufbau ist

In diesen Situationen stellt das Reporting an den CFO für Kandidat in der Regel kein Problem dar.

Wichtiger ist vielmehr, dass Legal bei strategischen Fragestellungen weiterhin direkten Zugang zum CEO hat.

Wann Reporting an den CEO die bessere Lösung wird

Mit zunehmender Unternehmensgröße, Regulierung oder organisatorischer Komplexität verändert sich die Rolle des General Counsel.

Legal unterstützt nicht mehr nur einen einzelnen Unternehmensbereich.

Die Funktion berät das gesamte Unternehmen.

Der General Counsel trägt Verantwortung dafür, rechtliche Risiken mit den kommerziellen Zielen des Unternehmens in Einklang zu bringen.

Aus unserer Sicht ist ein Reporting an den CEO häufig die stärkere Organisationsstruktur, wenn der General Counsel:

  • den CEO und das Executive Leadership Team berät
  • Board- oder Aufsichtsratsthemen verantwortet
  • die gesamte Rechtsfunktion führt
  • Corporate Governance und Compliance verantwortet
  • interne Untersuchungen begleitet
  • M&A-Transaktionen oder Fundraising unterstützt
  • das Unternehmen auf einen IPO oder Exit vorbereitet
  • die Legal Strategy gemeinsam mit der Business Strategy entwickelt

Auf diesem Niveau ist der General Counsel nicht mehr lediglich der ranghöchste Jurist des Unternehmens.

Er oder sie ist Teil der Unternehmensführung.

Ein direktes Reporting an den CEO spiegelt diese Rolle entsprechend wider.

Unabhängigkeit ist entscheidend

Eines der stärksten Argumente für ein Reporting an den CEO ist die Unabhängigkeit.

Die Aufgabe eines General Counsel besteht nicht ausschließlich darin, Geschäftsentscheidungen umzusetzen.

Manchmal besteht sie darin, diese kritisch zu hinterfragen.

Legal muss unter anderem zu Financial Reporting, internen Untersuchungen, Executive Compensation, Corporate Governance, regulatorischen Fragestellungen oder Internal Controls beraten.

Gerade in diesen Situationen ist organisatorische Unabhängigkeit von großer Bedeutung.

Das bedeutet nicht, dass General Counsel nicht erfolgreich an einen CFO berichten können.

Viele tun dies.

Unternehmen sollten jedoch prüfen, ob die gewählte Reporting Line der Rechtsfunktion ausreichend Autorität verleiht, um objektive und unabhängige Beratung sicherzustellen – insbesondere dann, wenn sich diese Beratung auf den Finance-Bereich selbst bezieht.

Mit steigenden Governance-Anforderungen gewinnt dieser Aspekt zunehmend an Bedeutung.

Was wir derzeit im deutschen Markt beobachten

Der deutsche Markt weist einige Besonderheiten auf.

Viele traditionelle Unternehmen haben ihre Rechtsfunktion historisch innerhalb von Finance oder Corporate Services aufgebaut – insbesondere dort, wo Legal schrittweise gewachsen ist.

Der Markt verändert sich jedoch spürbar.

Vor allem bei Technologieunternehmen, Fintechs, SaaS-Unternehmen, Marketplaces und international tätigen Organisationen entwickelt sich Legal zunehmend zu einer strategischen Unternehmensfunktion.

General Counsel sind heute immer häufiger involviert in:

  • Product Strategy
  • AI Governance
  • Investor Discussions
  • International Expansion
  • Organisational Change
  • Enterprise Risk
  • ESG
  • Regulatory Engagement

Mit dieser Entwicklung verändern sich auch die Reporting-Strukturen.

Ein Großteil der General Counsel Executive Search-Mandate, die wir heute begleiten, beinhaltet entweder ein direktes Reporting an den CEO oder einen regelmäßigen Zugang zum Executive Leadership Team.

Dies beobachten wir insbesondere bei Venture-backed Companies, Private-Equity-Portfoliounternehmen, internationalen Scale-ups und Unternehmen, die sich auf bedeutende Corporate Events vorbereiten.

Die Unternehmensphase sollte die Entscheidung bestimmen

Anstatt zu fragen, ob Reporting an den CEO oder CFO grundsätzlich besser ist, empfehlen wir Unternehmen, zunächst den aktuellen Entwicklungsstand ihres Unternehmens zu betrachten.

Early-Stage Companies

Der erste In-House Lawyer berichtet häufig an den CFO, COO oder CEO.

Im Vordergrund steht zunächst operative rechtliche Unterstützung – nicht Executive Leadership.

Scaling Businesses

Mit zunehmendem Wachstum wird Legal stärker in strategische Entscheidungen eingebunden.

Oft ist dies der Zeitpunkt, an dem Unternehmen ihren ersten General Counsel oder Head of Legal einstellen und die Reporting-Struktur neu bewerten.

Etablierte Unternehmen

Wenn Legal Verantwortung für Corporate Governance, Compliance, Board-Themen und Enterprise Legal Risk übernimmt, wird ein direktes Reporting an den CEO zunehmend zum Standard.

Die Reporting Line entwickelt sich parallel zur Rolle.

Fazit

Es gibt keine Reporting-Struktur, die für jedes Unternehmen gleichermaßen geeignet ist.

Die richtige Entscheidung hängt von der Unternehmensphase, der Reife der Rechtsfunktion und den Erwartungen an die Rolle ab.

Ein Trend im deutschen Markt ist jedoch deutlich erkennbar.

Je strategischer die Rolle von Legal wird, desto näher rückt der General Counsel an den CEO.

Für Unternehmen, die ihren ersten In-House Lawyer einstellen, bleibt ein Reporting an den CFO häufig die richtige und sinnvolle Lösung.

Für Unternehmen, die international skalieren, in regulierten Branchen tätig sind oder sich auf einen IPO, Exit oder andere bedeutende Unternehmensereignisse vorbereiten, bietet ein direktes Reporting an den CEO häufig die notwendige Unabhängigkeit, Sichtbarkeit und strategische Einflussmöglichkeit.

Letztlich sollten Unternehmen ihre Reporting-Struktur nicht an traditionellen Organisationsmodellen ausrichten.

Sie sollten sie an der Rolle ausrichten, die sie von ihrem General Counsel erwarten.

Denn wenn Legal innerhalb der Organisation richtig positioniert ist, wird der General Counsel weit mehr als nur der ranghöchste Jurist des Unternehmens.

Er oder sie wird zu einer der wichtigsten strategischen Vertrauenspersonen der Unternehmensführung.

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